Isolation Berlin

Frage: Wie umschifft man als Band die Klippe des schwierigen zweiten Albums? Ganz einfach: Man schreibt die Songs für das zweite Album schon bevor das erste erscheint.

Im Falle von Isolation Berlin war ja das erste Album Und aus den Wolken tropft die Zeit gewissermaßen schon ihr zweites, denn die EP-Kollektion Berliner Schule/Protopop darf durchaus als ihr erstes Album bewertet werden. Schließlich heißt Album auch nur Sammlung – nicht mehr und nicht weniger.
Nun also erscheint strenggenommen bereits das dritte Album der Gruppe Isolation Berlin, die sich mit ihrer Mixtur aus Spelunkenlied und Indierock in den letzten zwei Jahren mit Gassenhauern wie „Alles Grau“, „Fahr Weg“ oder „Schlachtensee“ ein treues Publikum erspielt hat. Großstadtmelancholie für alle! Ein funkelndes Kerzenlicht im digitalen Zeitalter…

Vergifte dich heißt die neue Platte, und sie knüpft nahtlos an ihr bisheriges Repertoire an. Es wird geliebt und es wird verlassen, es wird gelebt und gehasst, es wird gedacht und verzweifelt, es wird getrunken und es wird wieder vergessen. Doch verfeinert Tobias Bamborschke seine Lyrik, in dem er sich – wie es bei guter Poesie so geht – in seinen Versen gleichsam nach Innen und Außen richtet: was, wenn es tatsächlich kein richtiges Leben im Falschen gibt; kann es dann überhaupt so etwas wie wahre Liebe in diesem Leben geben? Wie soll man sich in der Welt Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit bewahren, wenn einem „Die Leute“ da draußen nur Lügen erzählen und noch viel schlimmer: diese Lügen leben? Ja, da platzt einem schon mal der Kotzkragen. Bamborschke sucht und entlehnt Metaphern für all dies bei der Biochemie („Serotonin“), aus dem klassischen Drama („Melchiors Traum“) bis in die Astrophysik hinein („Antimaterie“). Er steht mit seinem Notizbuch an der Tramhaltestelle des Lebens und wird zum Romantiker. Doch dort, wo zu Zeiten der Romantik vielleicht noch eine Eiche stand, oder eine Mühle am Bach klapperte, steht heute nur noch ein Pfandflaschenautomat.

Schon Heinrich Heine wusste, dass der absolute Zustand, ein Zustand aufgehobener Entfremdung dem Menschen längst unerreichbar geworden war. Es ist das gleiche Unbehagen, das Bamborschke besingt und das die Band in ihrem lärmenden, manchmal ins aggressive kippenden Sound verdichtet, das sie in Momenten wie eine moderne Berliner Ausgabe von Primal Scream klingen lässt: Das liegt nicht zuletzt an der ausgezeichneten Produktion, für die auch diesmal wieder Isolation Berlin-Bassist David Specht verantwortlich zeichnet. Welche Band kann das schon? Sich auf so einem Level selbst zu produzieren? Eben. Und mit Psychedeliker Max Bauer an Gitarren und Tasten und Metronom Simeon Cöster am Schlagzeug hat sich diese Band in den letzten zwei Jahren mehr und mehr zu einem perfekten Quartett zusammengeschweißt.
Darüber haben sie einen komplett unverkennbaren Sound entwickelt. Das liegt nicht nur an Bamborschkes Gesang. Isolation Berlin bewegen sich mittlerweile ganz selbstverständlich zwischen Indierock, Post-Punk und Chanson. Dabei ist Vergifte dich – wen wundert‘s – um einiges psychedelischer geworden als seine Vorgänger. Nie waren sie besser als heute.
Sowieso sind sie eine Band im allerbesten Sinne. Eine Gang, eine Ersatzfamilie, eine Firma, nihilistische Glaubensgemeinschaft und Saufgelage, vereint in nur zwei Worten: Isolation Berlin.

Es klingt vielleicht verrückt, doch wenn man die neuen, ausgezeichneten Lieder auf Vergifte dich hört, dann möchte man dieser absurden Welt fast dafür danken, dass sie sich in so einem Zustand befindet. Wie schon Albert Camus in der „Mythos von Sisyphos“ schrieb: „Das Absurde hat nur insofern einen Sinn, als man sich nicht mit ihm abfindet“. So müssen wir uns Isolation Berlin als glückliche Menschen vorstellen.

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