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Albrecht Schrader


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“Der Ort, wo meine Jugend glüht, ist nicht, wo Hamburg brennt / Tränen fließen unverblümt in mein Polohemd“
(„Auf dem Golfplatz“, Albrecht Schrader)

Wenn man ehrlich ist, sind viele Coming-Of-Age-Platten am Ende ja doch weniger persönlich als bloß Blaupausen: Verklärung, Nostalgie, bisschen Milieu-Kitsch und die Inszenierung des Protagonisten als Underdog, fertig.
Coming Of Age als Pizza - selbst mittelmäßig weiß man sie so noch zu schätzen. Allerdings ist danach alles auch wieder schnell vergessen.

Das Album „Diese eine Stelle“ von Albrecht Schrader legt dagegen offen, was für eine Wahrhaftigkeit in introspektivem Pop wirklich stecken kann. Coming Of Age, alles hier offenbart sich ganz unmittelbar, ganz zart - dabei ist Albrecht Schrader selbst schon lange präsent im hiesigen Musikgeschehen. Produktionen, Songs, TV-Auftritte, Piano-Passagen – es dürfte kaum jemanden geben, der von der Kunst des freundlichen Brillenträgers noch nicht gestreift wurde. Doch irgendwie lässt einen das Gefühl nicht los, dass er jetzt erst mit dieser Platte wirklich ernst macht.

Kein Verstecken, kein Augenzwinkern, kein Ausdenken – das war die Prämisse beim Songwriting für diese Platte. Es geht ums Aufwachsen in gutem hanseatischen Hause. Um den Golfplatz, um Scham, um first love, es geht um die Scheiß-Angst aufzufliegen als Großbürgersohn im versifften Juze-Backstage. Darf ich hier überhaupt sein? Auf dieser Platte findet man keine um die Ecke gedachten Popminiaturen, sondern sie fragt sich, wer bin ich, wer kann ich sein? Identität als fragile Kunstform.

Doch dieses Album ist noch mehr. Neben jenem berührenden Einblick, der sich traut verletzlich, ja, angreifbar zu sein, bietet Albrecht Schrader auch Stücke aus seinen letzten Cologne-Years. Dort lebte er lange Jahre, mit dieser Platte endet diese Zeit nun. Songs wie das hymnisch-sphärische „Eigelstein“ oder auch der bittersüße Freundschafts- und Beziehungshit „Getrennt oder zusammen“ erzählen davon.

Jetzt hat es Albrecht Schrader wieder nach Hamburg gezogen, seinem Bezug zu Köln allerdings kann man nicht nur in einigen der Texte nachspüren. Viel von der Produktion fand am Rhein statt: Albrecht Schrader arbeitete u.a. zusammen mit Keshav Purushotham und Niklas Schneider, mit Philipp Janzen, er nahm auf bei Wolfgang Stach in den berühmten Kölner Maarwegstudios aber auch im Bearcave von Locas in Love und bei Simon Frontzek. Okay, der allerletzte Verweis führt nach Berlin. Soviel geographische Sorgfalt muss sein.

Dass neben den Storys vor allem die Musik den ganz großen Reiz dieses Albums ausmacht, ist sicher auch Verdienst jener großen Sound-Inspiration, die sich dieses Album gönnt – doch vornehmlich zeigt „Diese eine Stelle“, was für einen gewachsenen Songwriter Albrecht Schrader mittlerweile darstellt. Wo wird bitteschön im deutschsprachigen Pop so komponiert? Wer schreibt einem auch nur annähernd so vielschichtige Stücke wie „Elbchaussee“ oder „Zäune“?
Diese Musikalität, die leichtfüßig Einflüsse aus unterschiedlichsten Genres bis hin zur Klassik in Popsongs zu gießen vermag. Wo Mitsummen und Staunen sich treffen.

Albrecht Schrader bringt Eleganz und Emotion in Eins. Manchmal erinnert das an britischen Socialist Pop der Achtziger wie Style Council oder Heaven 17, mal an Jochen Distelmeyer in größten Zeiten, mal aber auch an Frank Ocean. Diese wunderbar entrockte Platte spürt sogar zeitgenössischem Soul wie D’Angelo nach – auf eine ganz eigene intuitive Art. Die Abwesenheit von Rock oder auch nur einer Rhythmusgitarre auf diesem Album ist dabei nicht mal als Absage an jenes Prinzip zu verstehen, keine Antithese zu Rock, eher ein Desinteresse.
Albrecht Schrader befindet sich viel mehr auf der Suche nach dem männlichen Popstar ohne Hemdsärmel – und wer diese Platte hört, weiß, er hat ihn gefunden...

Text: Linus Volkmann

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